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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Weiterleitung von Wind- und Stabilisierungslasten

Nr. 154
Sachgebiet Holzbau
DIN DIN 1052
Datum 18.11.2006
 

Die Wind- und Stabilisierungslasten sowie die Lasten aus Schrägstellungen der Binder werden über die Dachlatten in die in der Obergurtebene liegenden Verbände übertragen. Diese Latten stellen daher wesentliche tragende Elemente der Dachkonstruktion dar.

 

Die Dachlatten, die zur Aussteifung der Binderobergurte aus der Binderebene benötigt werden, sind mit ihren Abmessungen, Anschlüssen und Stößen entsprechend den Angaben der DIN1052:2004-08 auszuführen.

 

Dachlatten können zur Weiterleitung von Wind- und Stabilisierungskräften der auf Druck beanspruchten Binderobergurte für alle Binderstützweiten herangezogen werden, wenn die nachstehenden Bedingungen erfüllt sind:

1. Die Dachebene ist durch Wind- und Stabilisierungsverbände ausgesteift.

2. Die Aussteifungsverbände sind mindestens an der Traufe und am First gehalten (z.B. durch Windrispenbänder abgespannt).

3. Die Binder sind an den Traufen und am First (auf jeder Seite der Dachfläche) über Gurte zug- und druckfest miteinander verbunden. Stöße sind verformungsarm auszubilden, d.h. für die

1,5-fache Kraft zu bemessen.

4. Der Binderabstand e beträgt höchstens 1,25 m.

5. Der Binderobergurt ist mindestens 40 mm breit.

6. Die Höhe der Binderobergurte beträgt höchstens das 4-fache der Obergurtbreite.

7. Die Beanspruchungen der Dachlatten und deren Anschlüsse und Stöße werden rechnerisch nachgewiesen. Die Belastung kann aus der Seitenlast NLatte = qd ? eLatte ermittelt werden.

eLatte (? ?ef des Obergurtes) ist dabei der Abstand der zur Abstützung des Binders herangezoge-nen Latten.

8. Die Stöße der Dachlatten sollten bei einer maximalen Stoßbreite von 1 Meter um mindestens

2 Binderabstände versetzt werden.

 

Andere mögliche Ausführungsbedingungen sind in DIN 1052 angegeben (vgl. z. B. DIN 1052 E.2 (5)).

 

Im Prüfbericht sollte ein Hinweis auf die tragende Funktion der Lattung aufgenommen werden.

Z.B.: Die Dachlattung wurde als tragendes Bauteil zur Stabilisierung der Binderobergurte eingesetzt.

Sie ist für die Standsicherheit des Gebäudes von wesentlicher Bedeutung. Der Dachdecker (Zimmerer) ist vor der Montage ausdrücklich auf diesen Sachverhalt hinzuweisen.

 

Es wird empfohlen, die angeführten Regelungen auch bei Ausführung nach DIN 1052:1988-04 anzuwenden.

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.

Quelle /1/ DIN 1052:2004-08 /2/ M. Gerold, D. Steinmetz Anforderungen an Konstruktion und Bemessung von Nagelplattentrag-werken aus der Sicht des Prüfingenieurs; Tagungsband Arbeitstagung der Prüfingenieure BW 2001 in Freudenstadt
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