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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Konstruktionsregeln der DIN 1045-1

Nr. 151
Sachgebiet Stahlbeton- und Spannbetonbau
DIN DIN 1045-1
Datum 08.06.2006
 

Konstruktionsregeln der DIN 1045-1

 

Mindestbewehrung nach dem Duktilitätskriterium, DIN 1045-1, 13.1.1:

• Allgemeines

Die Mindestbewehrung für überwiegend biegebeanspruchte Bauteile zur Sicherstellung eines duktilen Bauteilverhaltens nach [4] 13.1.1 (Robustheitsbewehrung) ergibt bei großen Querschnitten wie bei breiten wandartigen Trägern oder dicken Fundamenten teilweise unwirtschaftliche Ergebnisse. In vielen Fällen ist es sinnvoll, weitergehende ingenieurmäßige Über¬legungen unter Beachtung des Regelungsziels anzustellen. [3], 8.2.1.

 

• Regelungsziel

Ziel der Regelungen für die Mindestbewehrung für überwiegend biegebeanspruchte Bauteile nach [4] 13.1.1 ist, wie in [4], 5.3.2 (1) gefordert, ein unangekündigtes, schlagartiges Biegeversagen zu verhindern. Bei gering bewehrten Bauteilen besteht diese Gefahr, wenn das Rissmoment des Betonquerschnitts über dem durch die Bewehrung aufnehmbaren Moment liegt. Das Bauteil soll ein gutmütiges Tragverhalten haben und sich duktil verhalten, d.h., im Bereich der Bruchschnittgrö-ßen noch eine so große Verformungsfähigkeit aufweisen, dass das Versagen (z.B. durch Risse, Durchbiegungen usw.) angekündigt und ein Sprödbruch vermieden wird. [3], 8.2.1; [6], zu 13.1.1.

 

• Die Mindestbewehrung bei wandartigen Trägern

Bei wandartigen Trägern genügt die orthogonale Netzbewehrung (mind. as = 1,5 cm2/m bzw. 0,075 % • Ac je Außenfläche und Richtung). [3], 8.2.2.

 

• Die Mindestbewehrung bei zentrisch belasteten Einzel- oder Streifenfundamenten

Bei zentrisch belasteten Einzel- oder Streifenfundamenten ist zu prüfen, ob diese ggf. nach den Regeln für unbewehrte Bauteile nachgewiesen werden können, so dass die Mindestbewehrung entfallen kann. [3], 8.2.3, Text zu Bild 23.

 

 

• Die Mindestbewehrung bei Einzelfundamenten und Fundamentplatten ohne äußere Zwangbeanspruchung

Bei Fundamenten ohne äußere Zwangbeanspruchung darf auf die Mindestbewehrung verzichtet werden, wenn die Schnittgrößen nach [4], Abschnitt 8.2 ermittelt sowie alle Nachweise der Grenzzustände erfüllt werden. Das gutmütige Tragverhalten wird hier durch Baugrundreaktion (Umlagerung) sichergestellt. [1], lfd. Nr. 35, 85, 125; s. auch [3], 8.2.3, Text zu Bild 24, und [7].

 

Diese Zusammenhänge haben auch in der DAfStb-Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton“ [7] für Bauteile mit der kleineren Bauteilabmessung von h ? 800 mm Berücksichtigung gefunden. Danach darf bei massigen Gründungsbauteilen und erddruckbeIasteten Wänden aus Stahlbeton auf die Mindestbewehrung nach 13.1.1 (1) verzichtet werden, wenn das duktile Bauteilverhalten durch Umlagerung der Bodenpressungen bzw. des Erddrucks sichergestellt werden kann. Dabei müssen die Schnittgrößen für äußere Lasten nach DIN 1045-1, Abschnitt 8.2, ermittelt sowie die Grenzzustände der Tragfähigkeit nach Abschnitt 10 und der Gebrauchstauglichkeit nach Abschnitt 11 nachgewiesen werden. In anderen Fällen, z. B. bei verschieblichen Systemen oder großen Lastausmitten auf Einzelfundamenten, ist zu erwarten, dass die Biegebewehrung aus der Tragfähigkeitsbemessung ohnehin die Werte der Mindestbewehrung überschreitet.

 

Die bauaufsichtliche Einführung der Richtlinie [7] wird in der nächsten Musterliste der Technischen Baubestimmungen 2006 und in der Bauregelliste A, Teil 1, Ausgabe2006/1 mit folgender Anlage erfolgen: „Wenn auf die Mindestbewehrung nach DIN 1045-1, 13.1.1 (1) verzichtet wird, ist dies im Rahmen der Tragwerksplanung zu begründen. Bei schwierigen Baugrundbedingungen oder komplizierten Gründungen ist nachzuweisen, dass ein duktiles Bauteilverhalten auch ohne entsprechende Mindestbewehrung durch die Boden-Bauwerk-Interaktion sichergestellt ist.“

 

• Die Mindestbewehrung bei Platten

Bei einachsig gespannten Platten ohne planmäßige Einzellasten und bei zweiachsig gespannten Platten im Feldbereich braucht die Mindestbewehrung nur in der Haupttragrichtung vorgesehen werden. [1], lfd. Nr. 110, 175.

 

Sonstige Konstruktionsregeln

• Die Mindestbewehrung as bei Wänden

als Summe der lotrechten Bewehrung beider Wandseiten je Richtung beträgt:

0,15 % • Ac (für |NEd| < 0,3•fcd•Ac)

0,30 % • Ac (für |NEd| ? 0,3• fcd•Ac bzw. für schlanke Wände)

 

An jeder Wandseite sollte die Hälfte dieser Bewehrung liegen:

0,075 % • Ac (für |NEd| < 0,3• fcd•Ac)

0,150 % • Ac (für |NEd| ? 0,3• fcd•Ac bzw. für schlanke Wände)

 

Alternativ kann versucht werden, die Wand als unbewehrte Wand nachzuweisen, so dass die Mindestbewehrung entfallen kann. [1], lfd. Nr. 57, 98, 139, 147.

 

• Die Querbewehrung von Stützen

Bügel als Querbewehrung in Stützen müssen nach [4] 13.5.3 (2) als geschlossene Bügel mit Haken nach Bild 56 e) ausgeführt werden. Das Schließen der Querbewehrung durch Übergreifung mit Winkelhaken ist nicht zulässig. [1], lfd. Nr. 58.

 

Wird die Beanspruchung der Betondeckung reduziert, ist das Schließen der Querbewehrung mit Übergreifungsstößen jedoch unkritisch. [8]. So kann eine Bügelbewehrung aus Betonstahlmatten auch nach den Bildern 56 g) oder h) aus [4] durch Bügelmattenstoß mit Übergreifung geschlossen werden, weil die angeschweißten Querstäbe das Absprengen der Betondeckung besser als einfache Winkelhaken verhindern. [1], lfd. Nr. 196, 210.

 

Sollen abweichend von [1], lfd. Nr. 58., Bügel als Querbewehrung in Stützen durch Übergreifung mit Winkelhaken geschlossen werden, z.B. bei hochbewehrten Stützen, muss die Beanspruchung der Betondeckung reduziert werden, indem größere Bügeldurchmesser und kleinere Bügelabstände vorgesehen werden. Ebenso bewirkt eine höhere Betonfestigkeit einen höheren Widerstand gegen Abplatzen. Besonders muss auf eine ausreichend bemessene Betondeckung geachtet werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Winkelhaken fast nie parallel gebogen werden (können) und deshalb teilweise in die Betondeckung ragen, was besonders kritisch für das Abplatzverhalten ist.

 

Statisch nicht angesetzte Zwischenlängsstäbe von Stützen (zur Einhaltung des Höchstabstandes von 30 cm) müssen auch durch Zwischenbügel gegen Ausknicken gehalten werden. [1], lfd. Nr. 186.

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.

Quelle [1] Normenausschuss Bau (NABau): Stand der Auslegungen 22.07.05, auf www2.nabau.din.de [2] Fingerloos, F.: Erfahrungen mit der praktischen Anwendung der DIN 1045-1, Beitrag zur VPI-Tagung Freudenstadt, 24./25.06.05 [3] Fingerloos, F. und Litzner, H.-U