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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Unterschiedliche Betongüten bei Stützen und Unterzügen bzw. Fundamenten

Nr. 149
Sachgebiet Stahlbeton- und Spannbetonbau
DIN DIN 1045, 1045-1
Datum 19.11.2003
 

Frage:

 

Bei Stahlbetonbauten werden öfters die Stützen mit einer höheren Betongüte ausgeführt als die Unterzüge oder die Fundamente. Kann hierbei die höhere zulässige Druckspannung für Teilflächenlasten nach DIN 1045-88, Ziffer 17.3.3 ( bzw. die erhöhte Teilflächenlast nach DIN 1045-1, Abs. 10.7 ) im Unterzug bzw. Fundament ausgenutzt werden?

 

Antwort:

 

1. Allgemeines

 

Die Ausnutzung von Teilflächenpressungen ist mechanisch nur bei einem 3-achsialen Druckspannungszustand zulässig, welcher sich in der Regel bei Kreuzung einer Innenstütze mit einer Flachdecke und bei Stützen auf üblichen Einzelfundamenten einstellen kann.

 

DIN 1045-1 Abs.10.7(2) lässt eine Teilflächenpressung deshalb nur dann zu, wenn eine affine Vergrößerung der Teilfläche geometrisch möglich ist.

Obwohl in alten Normenwerken diese Bedingung nicht ausdrücklich enthalten ist, ist es aus der Sicht des Ingenieurs richtig, Teilflächenpressungen nur dann auszunutzen, wenn sich tatsächlich ein 3-achsialer Druckspannungszustand einstellen kann. Bei einer Kreuzung Stütze-Unterzug ist dies in der Regel nicht der Fall.

 

 

2. Spaltzugbewehrung:

 

Nach DIN 1045-1 müssen die entstehenden Spaltzugkräfte (Querzugkräfte) durch Bewehrung aufgenommen werden. In DIN 1045 (Ausgabe 1988) ist dies nicht zwingend vorgeschrieben.

 

Bei Kreuzung einer Innenstütze mit einer Decke kann in der Regel die obere und untere Bewehrungslage der Decke als Spaltzugbewehrung angesehen werden, da die Decke genügend Druckfestigkeit besitzt, um die Spaltzugkräfte „abzustützen“. Die dadurch entstehenden mittigen Deckendruckkräfte können sich wiederum weiträumig auf die obere und untere Bewehrungslage abstützen. Deckenaussparungen, welche den Aufbau eines

3-achsialen Druckspannungszustandes behindern, dürfen selbstverständlich nicht vorhanden sein.

 

Bei üblichen Einzelfundamenten, welche die Ausbildung eines 3-achsialen Druckspannungszustandes durch ihre Geometrie erlauben und welche eine nicht gestaffelte, am Rand hochgebogene Biegebewehrung aufweisen, wird bei einer korrekten Biegebemessung keine zusätzliche Spaltzugbewehrung benötigt.

 

3. Nachweise:

 

Die vorhandene Teilflächenpressung ist in der Regel nachzuweisen.

Hierbei muss strenggenommen eine durch die Auslagerung von Verankerungslängen in die Stütze (siehe zum Beispiel DIN 1045-88, Ziffer 25.2.2.1(6)) entstehende Teilflächenpressung zusätzlich berücksichtigt werden.

 

Da unterschiedliche Betongüten, sofern sie sich nicht um mehr als eine Güte unterscheiden, im Allgemeinen kein Problem darstellen, kann bei Randbedingungen, welche offensichtlich einen 3-achsialen Druckspannungszustand ermöglichen, auf Nachweise der Teilflächenpressung verzichtet werden.

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.