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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Auflagerkräfte aus Durchlaufträgern

Nr. 147
Sachgebiet Einwirkungen
DIN DIN 1045, 1045-1, 1052, 18801
Datum 19.07.2002
 

Einige Bemessungsnormen lassen eine vereinfachte Ermittlung der Auflagerkräfte von Durchlaufträgern zu. Allerdings sind die hierbei zu beachtenden Regelungen von Norm zu Norm un-terschiedlich (Beispiele s. unten).

 

Frage:

Nach welcher Norm sind die Auflagerkräfte eines Durchlaufträgers (vereinfacht) zu ermitteln, die ein Bauteil belasten, das nach einer anderen Norm zu bemessen ist - also z.B. Stahlträger auf Stahlbetonbinder?

 

Antwort:

Die Einwirkungen sind nach der Norm zu ermitteln, die für die Bemessung des „lastbringenden“ Bauteils gelten. Liegt z.B. ein Stahlträger auf einem Stahlbetonbinder, so ist DIN 18 801 maßgebend.

Eine Ausnahme ist DIN 1053-1, vereinfachtes Berechnungsverfahren: hier wird geregelt, für welche Stützkräfte von einachsig gespannten Platten und Rippendecken sowie von Balken und Plattenbalken das lastaufnehmende Mauerwerk zu bemessen ist.

 

Von den Vereinfachungen bei der Ermittlung der Auflagerkräfte muss nicht unbedingt Gebrauch gemacht werden. Sie stammen noch aus der Zeit BC („before Computers') und waren zur Minderung des Berechnungsaufwandes gedacht. Allfällige „Fehler“ aus solcher Berechnung sind durch den globalen Sicherheitsbeiwert abgedeckt.

 

Wird von den (lt. Normen) zulässigen Vereinfachungen Gebrauch gemacht, so kann dies vom Prüfingenieur nicht beanstandet werden.

 

Beispiele für von Norm zu Norm unterschiedliche Regelungen

 

DIN 1045 (07.1988), 15.7 Stützkräfte

Die von einachsig gespannten Platten und Rippendecken sowie von Balken und Plattenbalken auf andere Bauteile übertragenen Stützkräfte dürfen im allgemeinen ohne Berücksichtigung einer Durchlaufwirkung unter der Annahme berechnet werden, dass die Tragwerke über allen Innenstützen gestoßen und frei drehbar gelagert sind.

 

Die Durchlaufwirkung muss bei der ersten Innenstütze stets, bei den übrigen Innenstützen dann berücksichtigt werden, wenn das Verhältnis benachbarter Stützweiten kleiner als 0,7 ist.

 

Für zweiachsig gespannte Platten gilt Abschnitt 20.1.5.

 

 

DIN 1045-1 (07.2001). 7.3.2 Sonstige Vereinfachungen

(4) Die Stützkräfte aus den Auflagerreaktionen von einachsig gespannten Platten, Rippendecken und Balken (einschließlich Plattenbalken) dürfen unter der Annahme ermittelt werden, dass die Bauteile (unter Vernachlässigung der Durchlaufwirkung) frei dreh-bar gelagert sind. Die Durchlaufwirkung sollte jedoch stets für das erste Innenauflager sowie solche Innenauflager berücksichtigt werden, bei denen das Stützweitenverhältnis benachbarter Felder außerhalb des Bereichs 0,5 < leff,1/leff,2 < 2,0 liegt.

 

DIN V ENV 1992-1-1: Eurocode 2 (06.1992), 2.5.3.3 Vereinfachungen (6)

Die auf unterstützende Bauteile wirkenden Kräfte aus den Auflagerreaktionen von einachsig gespannten Platten, Rippendecken und Balken (einschließlich Plattenbalken) dürfen unter der Annahme ermittelt werden, dass die Bauteile unter Vernachlässigung der Durchlaufwirkung frei drehbar gelagert sind. Die Durchlaufwirkung sollte jedoch für das erste Innenauflager sowie solche Innenauflager berücksichtigt werden, deren angrenzende Felder Spannweiten aufweisen, die um mehr als 30% voneinander abweichen.

 

DIN 1052 (04.1988); 8.1.2 Auflagerkräfte

Die Auflagerkräfte von Durchlaufträgern (auch Pfetten) dürfen im allgemeinen wie für Einfeldträger berechnet werden, sofern das Verhältnis benachbarter Spannweiten zwi-schen 2/3 und 3/2 liegt. Ausgenommen davon sind Zweifeldträger.

 

DIN 1053-1 (11.1996): Mauerwerk: Berechnung u. Ausführung, 6 _Vereinfachtes Berechnungsverfahren, 6.2.1 Auflagerkräfte aus Decken

Die Schnittgrößen sind für die während des Errichtens und im Gebrauch auftretenden, maßgebenden Lastfälle zu berechnen. Bei der Ermittlung der Stützkräfte, die von einachsig gespannten Platten und Rippendecken sowie von Balken und Plattenbalken auf das Mauerwerk übertragen werden, ist die Durchlaufwirkung bei der ersten Innenstütze stets, bei den übrigen Innenstützen dann zu berücksichtigen, wenn das Verhältnis benachbarter Stützweiten kleiner als 0,7 ist. Alle übrigen Stützkräfte dürfen ohne Berücksichtigung einer Durchlaufwirkung unter der Annahme berechnet werden, dass die Tragwerke über allen Innenstützen gestoßen und frei drehbar gelagert sind. Tragende Winde unter einachsig gespannten Decken, die parallel zur Deckenspannrichtung verlaufen, sind mit einem Deckenstreifen angemessener Breite zu belasten, so dass eine mögliche Lastabtragung in Querrichtung berücksichtigt ist. Die Ermittlung der Auflagerkräfte aus zweiachsig gespannten Decken darf nach DIN 1045 erfolgen.

 

DIN 18 801 (07.1983), 6.1.2.2 Auflagerkräfte von Durchlaufträgern

 

Die Auflagerkräfte dürfen für die Stützweitenverhältnisse min l > 0,8 max l - mit Ausnahme des Zweifeldträgers - wie für Träger auf zwei Stützen berechnet wer-den.

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.