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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Konstruktive Bewehrung

Nr. 16
Sachgebiet Stahl- und Metallbau
DIN DIN 1045
Datum 25.07.1972
 

Die konstruktive Bewehrung stellt eine Vervollständigung zu der in der statischen Berechnung nachgewiesenen Bewehrung dar. Sie ist notwendig, da einerseits alle statischen Berechnungen mehr oder weniger gute Näherungen an die tatsächlichen Kraftverhältnisse darstellen, und andererseits die Zwängungsspannungen aus inneren Kräften im allgemeinen unberücksichtigt bleiben. Zudem ist der Kraftfluß in einer tragenden Konstruktion keine konstante Größe, sondern durch Verkehrslasten und Zwängungen infolge Feuchtigkeits- und Temperaturänderungen veränderlich.

 

Die konstruktive Bewehrung stellt somit eine Ergänzung zur statisch nachgewiesenen Bewehrung dar, um eine ausreichende Qualität der Tragkonstruktion zu erbringen. Dabei ist zu beachten, daß diese konstruktive Bewehrung durchaus auch eine notwendige Voraussetzung für die Standsicherheit eines Bauwerks darstellen kann. Als Beispiel hierfür möge eine Decke dienen, welche rechnerisch frei drehbar auf einer Wand aufliegt, tatsächlich aber weitgehend in diese eingespannt ist. Hier wird eine konstruktive Bewehrung zur Abdeckung der ungewollten Randeinspannung benötigt, da anderenfalls Biegerisse auftreten, welche zusammen mit der Schubbeanspruchung zu einen Bruch der Decke vor dem Auflager führen können.

 

Im Gegensatz zu statisch nachgewiesenen Bewehrungen brauchen bei konstruktiven Bewehrungen die normal zulässigen Spannungen nicht eingehalten zu werden. Dies rührt daher, daß eine Beanspruchung der konstruktiven Bewehrung bis in den Fließbereich das Gleichgewicht des Tragwerks nicht beeinträchtigt. Die konstruktive Bewehrung nimmt auch nach Überschreitung des Fließbereiches noch die volle vom Stahl tragbare Kraft auf, kann aber wegen der Beendigung der Bewegung mit dem Erreichen des gerechneten Gleichgewichtszustandes nicht bis zum Bruch gedehnt werden. Höchstens bei völlig ungeeigneten konstruktiven Ausbildungen ist es denkbar, daß die Dehnung der Bewehrung so groß wird, daß ein Bruch erfolgt.

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.

Quelle Dr.-Ing. Bechert, DipI.-Ing. Wintergerst, Dr.-lng. Wippel