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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Biegesteife Stirnplattenanschlüsse nach den Ringbüchern [1], [2] und [3]

Nr. 158
Sachgebiet Stahl- und Metallbau
DIN DIN 18800: 1990-11
Datum 29.04.2009
 

Das DASt-Ringbuch von 1978 [1] war nach Einführung der DIN 18800: 1990-11 überholt.

Das Ringbuch [2] von 1997 wurde für die Beanspruchbarkeiten nach DIN 18800: 1990-11 erstellt. Die in [1] und [2] ausgewiesenen Tragfähigkeitswerte wurden an Tragfähigkeitsversuchen kalibriert, die in den siebziger Jahren durchgeführt wurden.

Das Ringbuch [3] von 2001 bezieht sich - statt auf versuchsbasierte Werte - im Wesentlichen auf bei Prof. Sedlacek et al. erarbeiteten Berechnungsmethoden. Die hierzu entwickelten Berechnungsmodelle berücksichtigen neben dem Tragverhalten auch das Verformungsverhalten momententragfähiger Verbindungen. Das verwendete Modell des T- Stummels („T-stub“) führt jedoch bei 4-reihigen Anschlüssen zu konservativen Ergebnissen, die nach Umrechnung auf ein vergleichbares Sicherheitsniveau zum Teil deutlich unter den Werten von [1] liegen.

Es stellt sich somit die Frage, inwieweit „alte“ und „neue“ Ringbücher angewendet werden können und dürfen. Hierzu geben die Literaturstellen [3], [4] (siehe www.vpi-bw.de) klärende Hinweise.

Danach dürfen beide Tabellenwerke [2], [3] unter Beachtung der dort genannten Randbedingungen verwendet werden.

- Bei der Anwendung von [2] ist gemäß der Ergänzung zum Prüfbescheid (II B 3 – 543 – 384) vom Juni 1998 noch ein Gebrauchsfähigkeitsnachweis zu führen, der oft maßgebend wird.

- Bei den Schweißnahtdicken sind bei ausgenutzten Anschlüssen die Werte nach [3] zu empfehlen, da hiermit auch plastische Verformungen des Anschlusses abgedeckt sind.

- [3] setzt im Gegensatz zu [2] keine Vorspannung der Schrauben voraus. Aus Gründen der Gebrauchstauglichkeit (Klaffung, Rotationssteifigkeit) und der Dauerfestigkeit (Wechsellasten, schon aus Wind) wird jedoch eine Vorspannung empfohlen.

- Eine Mischung der Angaben aus [2] und [3] ist nicht zulässig.

[1] Typisierte Verbindungen im Stahlbau.

Stahlbau Verlagsgesellschaft mbH, Köln, 2. Auflage, 1978

[2] Oberegge, O.; Hockelmann, H.-P.; Dorsch, L.

Bemessungshilfen für profilorientiertes Konstruieren.

Stahlbau Verlagsgesellschaft mbH, Düsseldorf, 3. Auflage, 1997

[3] Sedlacek, G.; Weynand, K.; Oerder, S.

Typisierte Anschlüsse im Stahlhochbau.

Stahlbau Verlagsgesellschaft mbH, Düsseldorf, 1. Auflage, 2001

[4] Weynand, K.; Hüller, V.; Schulte, U.

Zur Bemessung typisierter Anschlüsse.

Stahlbau Verlagsgesellschaft mbH, 25.02.2002

[5] Oberegge, O.; Weynand, K.; Schulte, U.; Hüller, V.

Bemessung von typisierten, momententragfähigen Verbindungen mit Tabellenwerken – eine Klarstellung.

Stahlbau Verlagsgesellschaft mbH, 1. Juli 2004

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.