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Kurzinformationen

Empfehlungen für die Praxis

Hier finden Sie als Ingenieur Empfehlungen für Ihre Arbeit. Die Kurzinformationen wurden vom statisch-konstruktiven Ausschuss (Stako) der Landesvereinigung der Prüfingenieure für Baustatik in Baden-Württemberg verfasst.

Diese Mitteilungen basieren auf Erfahrungen der Prüfingenieure für Baustatik; sie sind in der Regel mit den Landesbehörden abgestimmt, sind jedoch keine verbindliche Festlegung

Einspannmomente infolge Temperatur und Schwinden bei Stahlbetonfertigteilstützen

Nr. 38
Sachgebiet Stahlbeton- und Spannbetonbau
DIN DIN 1045
Datum 19.09.1973
 

Einspannmomente infolge Temperatur und Schwinden bei Stahlbetonfertigteilstützen.

 

1. Nach DIN 1045 [neu] Ziff. 14.4.1 sind bei längeren Bauwerken oder Bauteilen, bei denen durch Temperaturänderungen und Schwindenzwänge entstehen können, geeignete konstruktive Maßnahmen zur Beschränkung der Rißbildung zu treffen, wie z.B. Anordnung von Bewegungsfugen, entsprechende Bewehrung und zwängungsfreie Lagerung.

 

2. Nach DIN 1045 Ziff. 15.1.3 darf bei Bauten, die durch Fugen in genügend kurze Abschnitte unterteilt sind, der Einfluß von Kriechen, Schwinden und Temperaturänderungen in der Regel vernachlässigt werden.

 

3. Der Statisch Konstruktive Ausschuß befaßte sich mit der Frage, ob die in der DIN gebrauchten Formulierungen (siehe oben) näher definiert werden können und ab welchen Grenzen und wie der statische Nachweis zu führen ist.

 

4. Der Statisch Konstruktive Ausschuß nimmt hierzu mehrheitlich wie folgt Stellung:

 

4.1 Grundsätzlich läßt sich die Fragestellung nicht auf Stahlbetonfertigteilkonstruktionen beschränken. Die Ziff. 14.4.1 und 15.1.3 sind vielmehr allgemein gültig.

 

4.2 Bei Fertigteilkonstruktionen ist jedoch zu beachten, daß die aus den Zwängungsbeanspruchungen entstehenden Rückhaltekräfte meist punktweise weitergeleitet werden müssen. Diese Tatsache hat in der Vergangenheit zu Schäden in Form abgerissener Auflager geführt und mahnt bei Konstruktion und Prüfung besonders der Auflagerbereiche zur Vorsicht.

 

4.3 Eine Fixierung von Fugenabständen erscheint nicht möglich, da der Einzelfall von vielen verschiedenen Einflüssen abhängt. Auf den max. Dehnfugenabstand von 30 m bei Bauwerken mit erhöhter Brandgefahr nach DIN 1045 Ziff. 14.4.2 wird hingewiesen.

 

Tabellen über Fugenabstände (z.B. Franz Konstruktionslehre des Stahlbetons Band 1 S. 363 und TGL 116 abgedruckt in den Erläuterungen zu DIN 1045 Bonzel/ Bub/ Funk 1972 S. 961 - inzwischen in neuer Form als TGL 22 903 veröffentlicht) geben nur grobe Anhalte und sind mit Sachverstand zu gebrauchen. Vor schematischer Benutzung muß gewarnt werden.

 

4.4 Eine Berechnung der auftretenden Kräfte über angenommene Verformungen vorzunehmen erscheint wenig sinnvoll.

 

4.5 Die Beurteilung der fugenlosen Länge von Fertigteilkonstruktionen muß demnach von Fall zu Fall unter Berücksichtigung folgender Gesichtspunkte erfolgen:

 

4.5.1 Temperaturunterschiede zwischen Montage- und Endzustand sowie Temperaturunterschiede innerhalb von Baukörpern und Bauteilen aufgrund unterschiedlicher Wärmedämmung oder unterschiedlicher Nutzung.

 

4.5.2 Einbaualter der Fertigteile (Abklingen des Schwindens vor dem Einbau).

 

4.5.3 Verformungsbehinderungen durch unverschiebliche Bauteile (z.B. Wand- und Deckenscheiben) und unnachgiebigen Baugrund (z.B. Fels).

 

4.5.4 Mögliche zulässige horizontale Verschiebungen von Lagern und deren Verträglichkeit in Bezug auf die anschließenden Bauteile.

 

4.5.5 Stutzensteifigkeit (z.B. kurze gedrungene Stützen!)

 

4.5.6 Sichtbetonkonstruktion (erhöhte Sicherheit gegen sichtbare Risse)

 

 

Diese Kurzinformation stellt die mehrheitliche Meinung des Statisch Konstruktiven Ausschusses der VPI Baden-Württemberg zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dar.

Die Aktualität des Inhaltes, insbesondere der Normenbezüge, ist eigenverantwortlich zu beurteilen.